Ente gut, alles gut?

In meinem Garten brütet eine Ente! Was sie dazu bewogen hat, ihren Nistplatz bei mir im Garten und nicht direkt am Main zu wählen, kann ich nur vermuten. Warum einfach, wenn es auch bio geht? Brütende Vögel sind jedes Jahr in meinem Garten, Wasservögel allerdings waren noch nie dabei.

Brütende Ente (2)

Das erste Mal hatte ich sie vor 3 Wochen gesehen, da war die Ente noch im Garten meiner Nachbarin, die allerdings zu der Zeit schon tagelang fleißig am Ordnen ihres großen Garten war. Vielleicht fand sie den Platz zu gefährdet? Bei mir ging es damals noch wesentlich ruhiger zu.

Als nach dem vielen Regen der Rasen dringend gemäht werden musste, habe ich ihren Nistplatz entdeckt. Sie hat sich ein wirklich nettes Eckchen ausgesucht, direkt zwischen meinen Johannisbeeren und Stachelbeeren. Von vorne ist das Nest sehr gut verdeckt durch einen üppigen, französischen Estragon.

Der Rasen ist dringend fällig, ich brauche Mulchmaterial

Als ich mit dem Rasenmäher nur noch einen Meter von dem Ort ihrer Wahl entfernt war, wurde es ihr zu brenzlig und sie flog auf. Ich weiß nicht, wer von uns sich mehr erschrocken hat, sie oder ich!

Irgendein Impuls bewog mich, an dieser Stelle einmal näher zu schauen und so entdeckte ich ihr Nest mit den 5 Eiern. Enteneier hatte ich noch nie vorher gesehen, also beeilte ich mich, um schnell den Fotoapparat zu holen, bevor sie wieder zurück kam und das Nest besetzte. Die Eier sind mindestens so groß wie große Hühnereier und lagen kuschelig im Nest, so blassgrün wie mit Brennnesseln gefärbte Bio Ostereier.

Enteneier
Fünf wundervolle Enteneier im Nest, live sind sie etwas grünlicher als hier zu sehen ist.

Ich erzählte einigen Menschen aus meinem Umfeld davon, unter anderem am nächsten Tag auch Gosia und Norbert, meine netten Nachbarn mit dem Gewächshaus, welches ich mit benutze. Natürlich wollten die beiden das Nest auch sofort bewundern. Wir staunten nicht schlecht, als es leer war! Das waren lange Gesichter bei uns und die Enttäuschung war groß. Einen Tag vorher hatten die Eier noch so darin gelegen wie auf dem Foto. Konnten sie geschlüpft sein? Aber dann hätten doch die Schalenreste noch dort liegen müssen, wir schlossen dies als Möglichkeit bald aus.

Wer hat die Eier gestohlen?

Da keine Schalenreste im Nest lagen, kam auch ein Tier als Dieb nicht in Frage. War es denkbar, dass einer von den am Vortag eingeweihten Menschen der Dieb war? Meine Fantasie, die reichlich vorhanden ist, spielte sich alle erdenklichen Szenen aus. Ich war ganz erschüttert über diese Gemeinheit, der armen Entenmutter die Kinder zu stehlen!

Am nächsten Morgen, oh Wunder, saß die Ente wieder im Nest! Hatte sie eine posttraumatische Störung und wollte die Wirklichkeit noch nicht wahrhaben und saß auf dem leeren Nest? Das konnte doch nicht sein!

Noch ganz verwirrt erzählte ich dann am Nachmittag der anderen Nachbarin (die mit dem aufgeräumten Garten) die Story. Sie baute gerade mit ihrem Mann eine Kräuterspirale und der Ehemann hatte die zündende Idee. Enten verscharren ihre Eier mit Flaum und Nistmaterial in den Tiefen ihres Nestes, bevor sie das Haus verlassen. 🙂 Sie können ja nicht abschließen, also kommt dieser Trick zum Tragen.

Der Trick hat funktioniert, wir waren darauf reingefallen!

Ich hatte zwar auch die Idee gehabt, dass die Entenmutter den Platz als zu gefährlich nach dem Krach mit dem Rasenmäher angesehen hat und daher mit dem Schnabel die Eier einige Meter weiter gerollt hat. Daher hatte ich die umliegenden Beerensträucher ganz sorgfältig abgesucht und nichts gefunden. Auf diese naheliegende Idee mit der unteren Etage des Nestes bin ich überhaupt nicht gekommen. Sicherlich hat dies auch den Sinn, die Eier ein wenig vor der Kälte zu schützen und gleichzeitig nicht so auffällig für Feinde zu präsentieren.

Jedes Mal, wenn ich jetzt an den Johannisbeeren vorbei gehe, hoffe ich einen Blick in das Nest zu erhaschen. Bisher ist es mir aber noch nicht geglückt, die Entenmutter sitzt die ganze Zeit im Nest und so kann ich Dir heute noch gar nicht erzählen, wie diese Geschichte ausgegangen ist.

Was fressen Enten?

Sicherlich kannst Du Dir leicht vorstellen, dass es mich seitdem auch sehr bewegt, wovon sich Enten und ihre Küken hauptsächlich ernähren. Bevorzugen sie junge Salate? Oder doch lieber Kohlrabi? Darf es auch der Abwechslung halber ein bisschen Obst sein? Johannisbeeren vielleicht? Oder Erdbeeren? Diesen Fragen werde ich bis zu meinem Update dieses Artikels nachgehen und man darf gespannt sein, wie diese Story weiter geht.

Was ist, wenn durch irgendeinen dummen Zufall die frisch geschlüpften Enten mich zuallererst anstelle ihrer Mama erblicken? Werde ich sie dann wie Konrad Lorenz damals die Gänse nicht mehr los? Das kann ja noch heiter werden.

Mal sehen, wie das entet!

Update eine Woche später

Noch sind die Küken nicht geschlüpft. Und trotzdem hat sich eine Veränderung ergeben. Den Rhytmus der Ente habe ich jetzt recht gut kennengelernt. Sie ist meistens nur morgens für ca. 2 Stunden abwesend und lässt nur dann das Nest allein. Die Eier sind nicht jedes mal so schön zugedeckt wie an dem Tag, als wir auf den Trick herein gefallen sind. Zweimal lagen sie einfach so im Nest.

Und auf einmal waren es sieben Eier!

Plötzlich lagen sieben Eier im Nest!

Wen ich allerdings noch nie zu Gesicht bekommen habe, das ist der stolze, werdende Vater. Ist er gar nicht beim Brüten beteiligt? Ich staune jeden Tag über die unglaubliche Geduld der Ente, so lange ruhig die Eier zu brüten. Bald wird Schluss sein mit der Passivität, es ist sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Dann wird sie ins krasse Gegenteil versetzt werden und keine ruhige Minute mehr finden, es sein denn, die ganze Mannschaft ist im Nest unter ihrem Gefieder.

Als ich gestern morgen in den Garten kam, war die Ente wieder frühstücken. Da ich den Rasenmäher schon dabei hatte und eigentlich am hinteren Sitzplatz mähen wollte,  nutzte ich schnell die günstige Gelegenheit zum Rasenmähen in Nestnähe. Kaum war ich fertig und hatte den Rasenmäher zum Wohnhaus gebracht, war sie auch schon wieder zur Stelle. Auf dem nächsten Bild hat sie mich gerade entdeckt und wagt sich noch nicht sofort ans Nest.

Die Ente hat mich entdeckt!

Ich wollte sie nicht lange davon abhalten und konnte gerade noch das nächste Foto von ihr machen, kurz bevor sie zwischen den Johannisbeeren und Estragon verschwindet.

Einen Meter noch, dann ist sie beim Nest.

Sobald es etwas zu berichten gibt, wird ein neuerliches Update gemacht.

Letztes Update 3 Wochen später

Die Geschichte ist leider nicht gut ausgegangen. 🙁 Ich hätte Dir so gerne eine stolze Entenmutter mit sieben quicklebendigen Küken als Foto präsentiert. Den Fotoapparat hatte ich seitdem immer im Erntekorb.

 

In der Nacht zu Pfingstmontag ist es passiert. Als ich sehr früh morgens mein Dahlienbeet begutachtete, sah ich ein leeres Entenei dort liegen, wie ein fetter Wiesenchampignon auf dem dunklen Mulchmaterial liegend. Nichts Gutes ahnend ging ich zum Nest und dort saß die Ente wie immer und fauchte mich das erste Mal in der ganzen Zeit an.  Etwas neben dem Nest lagen dieses beiden Eier. Das Küken war tot, es liefen schon die Ameisen darauf herum. Das andere Ei war angepickt.

Kaputte Enteneier

Ich vermute, das hier irgendein Raubtier am Werk gewesen ist. Ein Marder oder Mauswiesel vielleicht, die habe ich schon manchmal gesehen. Oder ein Fuchs? Auch der ist schon zu Besuch bei mir im Garten gewesen.

Nun hatte ich die Hoffnung, dass wenigstens die anderen 4 Eier vielleicht noch in Ordnung waren, da die Ente ja noch auf dem Nest saß. Das war leider eine trügerische Hoffnung. Als ich nachmittags in den Garten kam, erzählte mir die Nachbarin, dass die Ente ganz verwirrt in ihrem Garten gelandet sei und lange am Zaun gestanden ist, bevor sie wieder weggeflogen sei.

Leider kein Leben.

Am nächsten Morgen kam die Ente angeflogen, nachdem ich das leere Nest angeschaut habe. Sie quakte das erste Mal in der ganzen Zeit und schien auf Antwort zu lauschen. Leider kam keinerlei Kükenruf. Nichts!

Ein echter Schlag für jede Mutter, egal ob Ente oder Mensch! Sie tat mir wirklich sehr leid. 🙁

10 Minuten blieb sie noch vor den Johannisbeeren stehen, immer wieder hektisch mit den Schwanzfedern wackelnd. Zweimal ging sie noch den gewohnten Weg hin zum Nest, kam aber jedes Mal nach wenigen Sekunden wieder raus. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass der Nachwuchs überlebt, das ist mir bei diesem Erlebnis sehr, sehr bewußt geworden.

Wenn Dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn bitte!

Von Herzen

Astrid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Verpasse nicht die Biogarten Tipps!

Trage Dich hier kostenfrei in meinen monatlichen Newsletter ein:

Bitte gib eine valide E-Mail Adresse an.
Please check the required field.
Etwas ist schief gegangen. Bitte prüfe Deine eingaben und versuche es erneut.
Do NOT follow this link or you will be banned from the site!