Wildbienen in unseren Gärten

Manche sind winzig, andere erinnern an Hummeln, einige nisten im sandigen Boden, manche schlafen in Glockenblumenblüten oder beißen sich mit ihren Mandibeln an Stängeln oder Blüten fest. Wildbienen sind einzigartig, wenn man sie beobachtet, kann man schnell die Zeit vergessen.

Wildbiene (4)

Woran kann man Wildbienen erkennen? Immerhin gibt es in Deutschland ca 585 Arten,
viele davon treten nur regional auf, manche sind vom Aussterben bedroht, geschützt sind
sie alle.
Mit etwas Übung wird man sie entdecken, sie tummeln sich auf der Erde, graben
Niströhren, nutzen Käferfraßgänge im Holz, auch Schilfhalme werden bezogen. Andere
bringen bereits Proviant für die Brut ein. Ausschließlich weibliche Tiere wird man mit
Pollenhöschen sehen oder mit einem Insekt zwischen den Mandibeln, der Nahrung für ihre
Larven.
Wildbienen leben solitär, sie bauen ihre Nester allein, oft jedoch dicht neben Nestern von
Artgenossen. Einige Arten leben primitiv-eusozial, diese Staaten werden von einem
Weibchen gegründet, später schlüpfen die Töchter, erst dann beginnt das Leben mit
Arbeitsteilung in einem Staat. Ein solcher kleiner Staat lebt nur kurz, eine
Vegetationsperiode, also nicht vergleichbar mit den Staaten der hoch-eusozialen Bienen.

Wildbienen als Bestäuber

Wir alle lieben frisches, selbst geerntetes Obst, Gemüse, erfreuen uns an farbenfrohen
Blüten, sammeln im Herbst Samen von unseren Pflanzen für das nächste Jahr.
Oftmals denken wir nicht darüber nach, was wir pflanzen und wer uns die Besonderheiten
an Qualität und Genuss ermöglicht.
Honigbienen können kaum allein alle Leistungen der Bestäubung unserer Obstbäume und
Beerensträucher erbringen. Denn Voraussetzung wäre, dass wir im Umfeld unserer
Gärten einen Imker haben oder selbst Bienenvölker halten.
Wer bestäubt also in unserem Garten die Blüten auch ohne Imkerei und an kühlen,
regnerischen Tagen?
Wildbienen und Hummeln summen nicht nur während der Obstbaumblüte durch unsere
Gärten, vor allem Hummeln fliegen auch bei Temperaturen ab 2°C, während sich die
Honigbiene erst ab ungefähr 10°C aus dem Haus begibt. Wildbienen sind hoch effizient in
ihrer Bestäubungsleistung, sie sammeln nicht nur für sich Nektar und Pollen, sie tragen
beides auch in ihre Nester ein. Aus diesem Grund sind häufige Blütenbesuche notwendig.

Woran können wir denken, um uns für die Leistung zu revanchieren?

Wildbienen benötigen Lebensraum und Schutz in unseren Gärten, mehr als noch vor
Jahren. Denn intensive Landwirtschaft, das Fehlen von Beikräutern auf den Feldern,
Mangel an Blühstreifen an Straßenrändern, auch viele Gärten bestehen aus Rasenflächen
oder Kies, führen zu Nahrungsmangel.

Andrena cineraria – Graue Sandbiene, Foto: Barbara Stockhaus

Blütenpflanzen als Nahrung

Von Frühjahr bis Herbst können wir mit einem entsprechenden Angebot an Blütenpflanzen
Nektar als Nahrung und Pollen für die Brut anbieten. Dies finden Wildbienen vor allem in
Blüten heimischer Kräuter und ungefüllt blühenden Wildpflanzen. Reich strukturierte
Naturgärten ermöglichen eine Vielfalt an Insekten, wenn wir zudem Wildwuchs zulassen,
Trockenmauern, Magerstandorte, Bereiche mit Totholz und Steinwälle anlegen.
Aber noch mehr ist wichtig, um ihr Überleben zu sichern.

Wildbienen brauchen Nisthilfen

Es braucht auch offene Stellen zwischen den Pflanzen, die meisten Wildbienen nisten in
Erde oder sandigem Boden, manche auch in markhaltigen Stängeln. Diese Stängel von
zum Beispiel Brombeere, aber auch Königskerze, können wir ihnen einzeln senkrecht
schmackhaft an einen Zaun binden, ungefähr 15cm vom Boden entfernt und 50cm lang.
Andere Wildbienen nisten in Halmen oder in morschem Holz wie zum Beispiel die
Holzbienen. Wir können Nisthilfen anbieten, südöstlich aufgestellt, vor Regen geschützt,
am besten mitten in einer blühenden Wildblumenwiese. So müssen die nur wenige
Wochen lebenden Wildbienen nicht weit fliegen.
Aber Vorsicht mit dem Kauf solcher Nisthilfen im Baumarkt. Auch hier sollte man sich vor
jeder Anschaffung gut informieren.

Megachile versicolor – Bunte Blattschneiderbiene, Foto: Barbara Stockhaus

Die unten genannte Website von Werner David gibt Auskunft darüber, wie man alles zum
Wohle der Wildbienen richtig machen kann.
Nisthilfen können aus abgelagertem Eichenholz sein, in welches Löcher von 2 bis 9 mm
eingebracht werden. Abschnitte von Brombeerranken, ungefähr 50cm lang, kann man für
markbohrende Wildbienen einzeln und senkrecht an einen Zaun binden. Das funktioniert
ebenso gut, wenn die Brombeerstängel an einem Stab befestigt einzeln in die Erde
gesteckt werden. Aber auch gut versäuberte und gebündelte Schilfhalme und Nisthilfen
aus speziell gebranntem Ton können wir anbieten.

Wildbienen Blüte als Nisthilfe aus gebranntem Ton, gefertigt von Barbara Stockhaus.

Ein ganz wichtiger Faktor, um das Leben der Wildbienen und Insekten überhaupt in
unseren Gärten zu schützen, ist der Verzicht auf Gift, Insektizide und chemische Dünger.
Natürliches Gärtnern ist also nicht nur für uns Menschen gesund und der Genuss unserer
Ernte unbekümmerter, wenn wir achtsamer in allem sind und schützen, was uns gesund
hält.
Interessante Links:
https://www.wildbienen.info/
https://www.naturgartenfreude.de/
Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen

 

Barbara ist ein echter Naturfreak, unkonventionell und individuell. Man sieht sie entweder mit Hund oder Kamera oder beidem. Was man dabei nicht finden wird, sind saubere oder gar gepflegte Hände. Nicht nur, dass dies durch die Gartenarbeit in ihrem wunderschönen Naturgarten erschwert wird, auch  ihre Arbeit in der eigenen Keramikwerkstatt macht dies unmöglich. Barbara widmet einen Großteil ihrer Schaffenskraft dem Leben und den Tieren im Garten. Sie setzt sich aktiv für Naturgärtnen ein. Die abgebildete Wildbienen-Blüte als Nisthilfe gibt es bei Stockhaus-Keramik. 

 

 

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Barbara Stockhaus für diesen tollen und informativen Artikel.

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Von Herzen 🙂

Astrid

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